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AK-Beschäftigungsstudie: Gemeinden, Vereine und Private als Job-Motoren[04.01.2006]
Die AK hat die Beschäftigungsentwicklung in Salzburg nach Rechtsform und Ei-gentumsstrukturen der Betriebe im Bundesland Salzburg unter die Lupe ge-nommen. Wer stellte ein, wer baute ab? Der Vergleich mit der Studie 1987 zeigt deutlich den Strukturwandel in den vergangenen Jahrzehnten. Der rein privatwirtschaftliche Bereich hat jetzt das Kommando in der Beschäfti-gung übernommen. Dennoch entstand in den vergangenen fünf Jahren immer-hin noch ein Drittel der neuen Jobs im nicht rein privaten Bereich. Die Gemein-den und vor allem die Vereine und Verbände verzeichneten prozentuell sogar ein kräftigeres Beschäftigungsplus als die Privaten! Das Land lenkte die Be-schäftigung in gesellschaftliche Problembereiche, und war an den Jobzuwäch-sen als Unterstützer und Auftraggeber stark beteiligt. Beim Bund dagegen wur-den seit 1987 rund 5.000 Arbeitsplätze vernichtet.
Die Jobmotoren in den 80er Jahren…
Welche Rolle spielt die öffentliche Hand als Arbeitgeber? Wie viele Jobs schafft die Privatwirtschaft? Wer sind die Jobmotoren in diesem Bundesland? Bereits 1987 war die Arbeiterkammer Salzburg in einer Studie diesen Fragen nachgegangen. Eindeutiges Ergebnis damals: 80 Prozent des Beschäftigungszuwachses von 1982 bis 1987 in Salzburg gingen auf das Konto des öffentlichen Bereichs und der nicht rein privatwirtschaftlichen Betriebe.
Seit den 80er Jahren hat sich viel getan, die Wirtschaftsstruktur hat sich verändert. Auch in Österreich wurde ausgegliedert, dereguliert und privatisiert. „Für uns Grund genug, erneut einen Blick auf die Beschäftigungsentwicklung nach Eigentümerstrukturen und Rechtsformen der Betriebe zu werfen“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler.
… und heute
Die Experten der Salzburger Arbeiterkammer haben sich angesehen, wo zwischen 1987 und 2005 sowie vor allem in den vergangenen fünf Jahren im Detail Jobs geschaffen, wo abgebaut wurden. 20.000 Betriebe wurden analog zur Untersuchung aus dem Jahr 1987 analysiert und in folgende acht Bereiche eingeteilt:
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- rein privatwirtschaftliche Betriebe |
PRIVAT |
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- genossenschaftliche Betriebe |
HALB ÖFFENTLICH/PRIVAT |
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- Sozialversicherungen und gesetzliche Interessensvertretungen (Kammern) | |
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- hauptsächlich nicht profitorientierter Sektor der Vereine, Verbände, Kirchen, Parteien | |
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- Betriebe im mehrheitlich öffentlichen Eigentum |
ÖFFENTLICH |
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- Gebietskörperschaften Bund, | |
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- Land und | |
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- Gemeinden als Arbeitgeber |
Seit 1987 sind im Bundesland Salzburg 34.415 neue Beschäftigungsverhältnisse entstanden. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von rund 1.900 Arbeitsplätzen. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der Jobs in Folge des schwächeren Wirtschaftswachstums nur mehr um durchschnittlich 1.500 pro Jahr. Statt 1,1 Prozent betrug der Anstieg der Beschäftigung nur mehr 0,7 Prozent im Jahresschnitt.
Zwischen 2000 und 2005 entstanden in den acht analysierten Bereichen insgesamt 7.522 neue Beschäftigungsverhältnisse. Während im gesamten öffentlichen Bereich 3.250 Jobs verloren gingen, wurden in den anderen Bereichen 10.772 neue Jobs geschaffen.
Zwei Drittel – exakt 66,8 Prozent – der neuen Jobs entstanden in der Privatwirtschaft. Etwa ein Drittel des Zuwachses ging auf das Konto des halb-öffentlichen gemeinnützigen Bereichs: Vereine und Verbände (+16 %), die Gemeinden (+5 %) sowie auf Betriebe in mehrheitlich öffentlichem Eigentum (+6,8 %). 5,1 Prozent der zusätzlichen Jobs wurden bei Genossenschaften und 0,9 Prozent bei Sozialversicherungen und Kammern geschaffen.
„Die Ergebnisse der AK-Studien 1987 und 2005 unterscheiden sich stark voneinander. In den zwei Jahrzehnten vollzog sich ein grundlegender Strukturwandel“, sagt Pichler. „Der mit dem Maastrichter Vertrag vorgegebene Weg zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, der Trend zu Ausgliederungen, Liberalisierung und Privatisierung ging auch am Salzburger Arbeitsmarkt nicht spurlos vorüber.“
Der private Sektor im Detail
In den Jahren schwächerer Konjunktur seit 2000 wurde der Zuwachs an Beschäftigungsverhältnissen in der Privatwirtschaft gebremst: Die Zahl der neuen Jobs stieg jährlich durchschnittlich um 1.439 Beschäftigungsverhältnisse und damit im Schnitt um 230 pro Jahr weniger als im langen Zeitraum 1987 bis 2005.
Die größten Beschäftigungszuwächse gab es 2000 bis 2005 in der Privatwirtschaft in den Wirtschaftsbereichen unternehmensbezogene Dienstleistungen (+3.738 Beschäftigungsverhältnisse), Fremdenverkehr (+2.736) und Handel (+2.323). Rückgänge gab es vor allem in der Bauwirtschaft (-1.210) und in der Sachgütererzeugung
(-827). Allerdings sind in beiden Bereichen zunehmend Leiharbeitskräften beschäftigt, die maßgeblich für den Zuwachs bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen verantwortlich sind.
Ein nicht geringer Teil der seit 1987 in der Privatwirtschaft entstandenen rund 30.000 neuen Beschäftigungsverhältnisse waren Teilzeitjobs: Auf Vollzeit umgerechnet entstanden in den 18 Jahren in Salzburg lediglich rund 23.000 neue Jobs. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Anzahl der Jobs im privaten Sektor teilzeitbereinigt um rund 5.000.
In Kleinbetrieben gibt es kaum neue Arbeitsplätze
Die Salzburger Privatbetriebe beschäftigten 2005 rund 148.000 Beschäftigte, das waren um 7.195 Frauen und Männer mehr als im Jahr 2000.
Auffallend dabei ist, dass in den Kleinbetrieben mit weniger als 20 Arbeitnehmern kaum neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Zirka 16.000 Betriebe beschäftigen weniger als 20 Arbeitnehmer. Dort finden etwa 63.000 Menschen Arbeit, das sind 42,7 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse. Der Anteil am Zuwachs an Arbeitsplätzen betrug dort jedoch nur 8,5 Prozent!
Auf die 1270 Betriebe mit 20 oder mehr Beschäftigten wo 84.800 Beschäftigte (das sind 57,3 Prozent aller Beschäftigten) arbeiten, entfielen 91,5 Prozent des Zuwachses an Arbeitsplätzen.
Bund baute in Salzburg seit 1987 rund 5.000 Jobs ab!
Während sich der Anteil am Beschäftigungszuwachs zugunsten der Privatwirtschaft verschob, zog sich der Bund als Arbeitgeber stark zurück. Zwischen 2000 und 2005 gingen alleine in Salzburg 2.620 Beschäftigungsverhältnisse beim Bund verloren. Das ist ein Minus von 22 Prozent.
Berücksichtigt man die Ausgliederung der Unis – sie scheinen nun im Bereich „Betriebe in mehrheitlich öffentlichem Eigentum“ auf -, wurden 830 Jobs abgebaut. „Vor allem im Bereich der öffentlichen Verwaltung gingen viele Arbeitsplätze verloren. Der Personalabbau etwa bei Justiz und Polizei macht sich bemerkbar“, sagt AK-Arbeitsmarktexperte und Autor der Beschäftigungsstudie Reinhard Hofbauer.
Im längerfristigen Vergleich 1987 bis 2005 betrug das Minus beim Bund in Salzburg sogar 56,2 Prozent – das sind 12.133 Beschäftigungsverhältnisse weniger in 18 Jahren! „Ein Großteil der Verluste beim Bund seit den 80er Jahren, aber nicht ausschließlich, ist auf die Ausgliederungen der Post und der Bahn oder des AMS zurückzuführen“, so Hofbauer. Diese Beschäftigten finden sich jetzt in der Statistik vorwiegend bei den Betrieben in mehrheitlich öffentlichem Eigentum und in der Privatwirtschaft wieder. Daraus ergibt sich, dass beim Bund seit 1987 tatsächlich rund 5.000 Arbeitsplätze vernichtet wurden.
Gemeinden legten stärker zu als Private…
„Trotz schwacher Konjunktur und gleichzeitiger Budgetkonsolidierung sind rund ein Drittel der neuen Arbeitsplätze in den vergangenen fünf Jahren im nicht-privaten Bereich entstanden. Das ist erstaunlich“, sagt AK-Präsident Pichler.
Die Salzburger Gemeinden steigerten zwischen 2000 und 2005 die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse um 547 auf 10.044. Mit 5,8 Prozent war der Zuwachs sogar höher als in den reinen Privatbetrieben (5,1 Prozent).
Die wirtschaftlichen Aktivitäten der Gemeinden sind vielfältig: Neben der öffentlichen Verwaltung betreffen sie die Wirtschaftsbereiche Unterricht, Soziales/Gesundheit und sonstige öffentliche und private Dienste. Auch im Bereich der Bauwirtschaft treten die Gemeinden als Arbeitgeber in Erscheinung. Im Wirtschaftsabschnitt öffentliche Verwaltung betrug der Zuwachs 123 Arbeitsplätze oder 5 Prozent, im Unterrichtsbereich 196 oder 8,4 Prozent, im Wirtschaftsabschnitt Gesundheit/Soziales 196 oder 6,3 Prozent. Selbst im Bauwesen gab es keine Rückgänge.
„Die Zahlen zeigen eindrucksvoll die Bedeutung der Kommunen. Jener öffentliche Bereich, der den Bürgern am nächsten steht, spielt nicht nur als Investor eine große Rolle, er ist auch ein Beschäftigungsmotor“, sagt Pichler.
…Vereine und Verbände sogar um das Dreifache!
Am Stärksten legte in den vergangenen fünf Jahren jedoch der Sektor der Vereine, Verbände, Kirchen und Parteien zu. Hier wuchs die Beschäftigung in fünf Jahren um 1.680 oder 18,1 Prozent. Also im relativen Vergleich zu Privaten oder Gemeinden um mehr als das Dreifache. Insgesamt arbeiten im Bundesland Salzburg 10.960 Menschen in diesem weder rein privaten noch öffentlichen Bereich.
Bei den Genossenschaften gab es zwischen 2000 und 2005 einen Beschäftigungszuwachs von 547 oder 10,1 Prozent auf 5.984 Beschäftigungsverhältnisse. Bei den Betrieben im mehrheitlich öffentlichen Eigentum stieg die Anzahl um 738 oder 6 Prozent auf 12.956. Ohne die Ausgliederung der Universitäten – betroffen waren rund 1.700 Beschäftigte in Salzburg – hätte es in diesem Bereich in den vergangenen fünf Jahren allerdings Jobverluste gegeben.
Land an Zugewinnen bei Gemeinden und Vereinen stark beteiligt
Beim Land gab es zwischen 2000 und 2005 Beschäftigungsrückgänge in der öffentlichen Verwaltung (-240) sowie im Unterrichtsbereich (-449), deutliche Zuwächse dagegen im Gesundheits- und Sozialbereich. Hier stieg die Zahl der Jobs in fünf Jahren um 243. Rückgänge gab es beim Land im Baubereich (-133).
„Auch beim Land ist ein Strukturwandel bemerkbar. Die Beschäftigung wurde in gesellschaftliche Problembereiche wie Gesundheit oder Soziales gelenkt“, sagt Pichler.
Das Land hat aber an den Beschäftigungszuwächsen in den Gemeinden und Vereinen/Verbänden einen großen Anteil, finanziert es doch maßgeblich deren gemeinnützige Leistungen mit. 1.038 der 1.680 zusätzlichen Arbeitsplätze im Bereich der Vereine und Verbände entstanden im Sozial- und Gesundheitsdienst. Diese Einrichtungen sind vor allem im Auftrag des Landes tätig und werden etwa zu zwei Drittel vom Land finanziert. Etwa 650 der neuen Arbeitsplätze in diesem Bereich gingen demnach auf das Konto des Landes.
Berücksichtigt man diese Anstrengungen und Aufwendungen des Landes, ist die Beschäftigungsbilanz des Landes ausgeglichen, gab es beim Land zwischen 2000 und 2005 ein leichtes Beschäftigungsplus von rund 50 Arbeitsplätzen.
Beschäftigung bei den Kammern, der Unterrichtsbereich am Beispiel FH
In Sozialversicherung und gesetzlichen Interessensvertretungen erhöhte sich die Zahl der Arbeitsplätze in den vergangenen fünf Jahren leicht um 64 oder 1,7 % auf 3.894. Während es in der Verwaltung – vor allem bei den Sozialversicherungen - zu Jobverlusten kam, gab es im Unterrichtswesen erhebliche Beschäftigungszuwächse.
Ein gutes Beispiel für letzteren Bereich ist die Fachhochschule Salzburg, die seit knapp einem Jahr gemeinsam von Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer geführt wird. Auch hier ist die öffentliche Hand indirekt am Jobzuwachs beteiligt, sind Leistungen zwar ausgelagert, werden aber von Bund und Land massiv finanziell gestützt.
135 Mitarbeiter sind derzeit in der gemeinsamen Fachhochschule Salzburg der Sozialpartner beschäftigt. Die FH wird vom Land mit 3,8 Millionen Euro und vom Bund mit 10,7 Millionen Euro gefördert.
„Auch in der AK selbst expandiert der Bildungsbereich, also das Berufsförderungsinstitut, während die Organisation zunehmend schlanker wird“, sagt AK-Direktor Gerhard Schmidt.
„Die Frage ist nicht, ob privat oder öffentlich besser ist“
Der Staat begreift sich zunehmend nicht mehr als beschäftigungspolitischer Faktor. Die Bedeutung des öffentlichen Bereichs als Beschäftigungspuffer bei schwacher Konjunktur ging verloren.
Gleichzeitig kostete die Liberalisierung vielfach – und entgegen den Versprechungen - Jobs. So gingen in der von Liberalisierung und Privatisierung am stärksten betroffenen Wirtschaftsabteilung Verkehr/Nachrichtendienstleistungen (Post, Bahn, Private Transportunternehmen) in den vergangenen fünf Jahren 643 Beschäftigungsverhältnisse verloren. Bei Post und Bahn gingen 1.111 Arbeitsplätze verloren, in anderen Bereichen kamen einige dazu, so dass es unter dem Strich 945 Arbeitsplätzen im Einflussbereich der öffentlichen Hand weniger gab. Dem standen lediglich 266 zusätzliche Arbeitsplätze in Privatbetrieben (in erster Linie im Personen und Güterverkehr) und 36 neue Jobs bei Genossenschaften und Vereinen/Verbänden gegenüber.
„Die Liberalisierung dieser Dienstleistungen hat zwar zu mehr Wettbewerb geführt, aber zum Preis einer deutlich geringeren Beschäftigung“, sagt Pichler.
So ist es nicht verwunderlich, dass die Arbeitslosenrate in Salzburg in den vergangenen fünf Jahren von 4,1 auf etwa 5,1 Prozent stieg. Die Zahl der Arbeitslosen Salzburger wuchs von 9.067 auf rund 11.980.
„Am Beispiel der Gemeinden und auch des Landes sieht man, dass der Umbau keine Jobs kosten muss. Ein beachtliches Drittel aller Beschäftigungszuwächse geht auf das Konto des nicht-privaten Bereichs“, sagt AK-Präsident Pichler. „Leider nimmt sicht der Bund immer mehr zurück. Dabei zeigen etwa Probleme im Bereich der Exekutive
oder Justiz, dass es auch beim Bund Ansatzpunkte für sinnvolle Beschäftigungspolitik gäbe“, sagt Pichler.
Grundsätzlich gehe es nicht um die Frage, ob der private oder der öffentliche Bereich besser ist, so Pichler. „Es geht um die Frage, wie kann die Leistung im Interesse der Bürgerinnen und Bürger am Besten erbracht werden? Und natürlich müssen die arbeitsrechtlichen Bedingungen stimmen.“








